Klarheit über die Wahrheit

Stand: 13.10.2012 16:56:46

 

Es ist eine Eigenart von uns Menschen, dass wir uns gelegentlich im alleinigen Besitz der Wahrheit wähnen. Und das kommt nicht von ungefähr. In einer Welt, in der die Zahl wichtiger und unwichtiger Informationen und Ereignisse ständig wächst, verlieren wir die Fähigkeit, Dinge zu einem Ganzen gedanklich zu verarbeiten. Wir informieren uns z. B. in den Medien und übernehmen ideologische Vorstellungskomplexe aus Bequemlichkeit und Denkfaulheit. Wir verlieren die Fähigkeit uns manchmal darüber Klarheit zu schaffen über das, was möglich und machbar und das was nicht möglich ist.

Aber, wer sich klar ausdrückt, riskiert als ungebildet zu gelten und auch kritisiert zu werden. Sie wundern sich über diese Aussage des Nachtwächters? Aber ist es nicht so, z. B. in der Politik, dass die unklare Rede oder der unklare Bericht sich vor jeder Kritik schützt, denn keiner der möglichen Kritikern weiß so recht, was eigentlich gemeint war. Zur Kritik gehört Mut diese so genannten Vernebelungsaktionen zu erkennen. Und so kommt es, bei fehlendem Mut, dass Menschen offensichtliche Zusammenhänge nicht sehen  und dann so tun, als ob man Einzelheiten aus dem Zusammenhang herausnehmen und einzeln behandeln könnte.

 

Die in Deutschland bestehenden sozialen Schichten, haben Interessen, die teilweise wesentlich voneinander abweichen. Es kommt zu Ausbildung von Klassenideologien, die meist als politische Programme formuliert werden. Sie stellen die Interessen der eigenen Klasse dar und stellen diese als das gemeinsame Interesse unserer Gesellschaft dar.

 

In diesen, nur ansatzweise geschilderten Spannungsfeldern, ist es sehr schwierig, der Nachtwächter stellt die Behauptung auf, ist es nicht möglich, eine für alle Spannungsfelder gültige Wahrheit zu finden.

Ein Beispiel: Natürlich sind wir Menschen gegen die Zersiedlung unserer Landschaft in der wir leben. Natürlich wollen wir preiswerten Wohnraum schaffen. Natürlich wollen wir unsere Umwelt schützen und bewahren. Natürlich wollen wir die bedrohte Tierwelt retten. Natürlich wollen wir, dass Unternehmen Arbeitsplätze erhalten und neue schaffen. Natürlich wollen wir, dass die Menschen mit ihrer Arbeit auch sich und ihre Familie ernähren können. Etc.

Aber das können wir nicht, so meint der Nachtwächter, nur mit ideologischen Argumenten erreichten.

Was kann man unter Ideologie verstehen:

"Bezeichnung für ein System von Überzeugungen und Begriffen, die auf Tatsachen und Normen bezogen sind und mit deren Hilfe komplexe, soziale oder politische Gegebenheiten im Hinblick auf ihre oft idealtypischen Leitgedanken oder Eigenschaften beschrieben werden. Sie beeinflussen auch die Wahl von Beziehungen eines Individuums zu einer Gruppe, indem sie Einstellungen positiver oder negativer Art nahe legen. Manchmal wird der Begriff auch als Bezeichnung für Einstellungen, Wertungen und Normen verwendet."  Quelle: K. Mannheim

Hegel sagt: "Wer die Welt vernünftig anschaut, den blickt auch die Welt vernünftig an". Eine vernünftige Sicht, meint der Nachtwächter, haben wir nötig. Kommt auch noch eine selbstkritische Betrachtungsweise und Toleranz gegenüber Andersdenkenden hinzu, dann ist man auf dem Weg zur Wahrheit.

Kritisch steht der Nachtwächter denen gegenüber, die meinen sie hätten die "Weisheit mit dem Schöpflöffel gefressen" und meinten nur sie hätten das Privileg des Wissens und der reinen Wahrheit. Durchdenken wir nur einmal die Forderung: "Mehr billige und gute Wohnungen, aber kein Landschaftsverbrauch.

Und definieren wir einmal Baulücken. Nach dem Krieg waren dies in den Städten Trümmerfelder. Heute sind Baulücken gewachsene kleine Biotope und Heimat für viele Kleinlebewesen bis hin zu Bäumen, Sträuchern und Blumen, die dort nicht nur die Luft verbessern, sondern teilweise auch monotone, architektonisch gleich gestaltete Straßenzeilen auflockern.

Wenn man heute in ehemalige Industriestädte, z. Beispiel ins Ruhrgebiet kommt, dann ist man angenehm überrascht von den jetzt vorhandenen "grünen Lungen". Eine wohltuende Symbiose. Ja, das könnte ein Zusammenleben zwischen Mensch und Natur sein und eine Alternative zu Aneinanderkettung von gleich gestalteten Bauobjekten.

Der Nachtwächter meint, das es unterschiedliche Betrachtungsweisen zu jedem Thema gibt und es sich lohnt nicht nur Medien und deren Meinungsbildungsberichte zu zitieren und als Maß aller Dinge zu postulieren, sondern Bequemlichkeit und Denkfaulheit hintanzustellen um gemeinsam die Zukunft unserer Nachkommen, ohne ideologische Gedankenvorprägung, zu gestalten. Auch hier können wir vieles von unseren Nachbarn in Frankreich lernen.

Auf jeden Fall sollte es sich wieder lohnen, durch Denken Klarheit über die Wahrheit zu erlangen.

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